11. Lesbisch - Schwule Filmtage Hamburg
11/10/1999
Die vom Querbild organisierten 11.Lesbisch-Schwulen Filmtage sind mal wieder ein voller Erfolg gewesen.
Das Publikum feierte sich kräftig selbst mit Didine und Blessless bei der Eröffnungsfeier, der Nach/tbar in den ehemaligen Räumen der TAZ Hamburg und der täglichen Berichterstattung auf DIVATV im Hamburger Offenen Kanal.
Es war nicht nur ein rauschendes Fest für die Sinne sondern auch jede Menge Input fürs Interllekt.
Das Programm war denn auch unter kulturpolitischen Aspekten höchst wertvoll, angefangen bei der Chinesischen Produktion von "Man Man, Woman Woman" die enstanden ist, in einer erst jetzt langsam aufkeimenden und sich etablierenden homosexuellen Bewegung in China. Den Koreanischen Film "Memento Mori" musste man den koreanischen Verleihern mit viel Überredungskunst für dieses Festival aus dem Kreuz leiern, weil sie der Meinung waren das die Thematik dieses Filmes mit Homosexualität nix zu tuen hat!
Ein typisches Vogel Strauss Syndrom, wovon auch Detlef Stoffel aus Bielefeld ein Liedchen singen konnte. Der ehemalige Besitzer einer Naturkost-Ladenkette und Filmemacher, erzählte nicht ohne Stolz, das er Mitte der Siebziger `ne Menge Staub aufgewirbelt hat. Abgesehen von der Bildung der ersten Homosexuellen Aktionsgruppe mit reichlich agressivem Auftreten in Hippie-Selbstfindungskreisen und einer engen Zusammenarbeit mit Bielefelder Anarchokreisen, war Detlef Stoffel auch an der Bielefelder Uni aktiv und sahnte Mittel zur Filmförderung ab. Damals, 1975/76, enstand "Rosa Winkel? Das ist doch schon so lange vorbei....", sein erster Film, hochambitioniert und für diese Zeit wohl das beste was rauszuhohlen war. Detlef Stoffel und Rüdiger Lautmannn (einer der Akteure, und seinerzeit Mitglied der Gesellschaft zur Förderung Sozialwissenschaftlicher Sexualforschung) standen nach der Aufführung des Films Rede und Antwort. Ziemlich schnell wurde klar, dass sich nicht nur die Sprache geändert hat, sondern auch die Bedingungen unter denen Filme gedreht werden. So bestand z.B. das einzige, sich offen in der Bielefelder Innenstadt zeigende Homosexuelle Pärchen in Wahrheit aus zwei heterosexuellen Männern. Schier unmöglich war es, Zeitzeugen zu finden, weswegen auch nur Bilddokumente verwendet werden konnten. Das grösste Problem war die Komunikation zwischen den Generationen, "Ex-Häftlinge" aus den KZ`s konnten mit den neuen revolutionären Hippiemethoden nichts anfangen, sie hatten andere Überlebensstrategien. Der Film reisst eine Geschichte der Homosexuellenbewegung und der dazugehörigen Homophobie und Verfolgung bis zu den 70ern an. Über Hitler`s Erlasse, die im Jahre `57 nochmals bestätigt wurden, "Wir reissen Hitler`s Autobahnen ja auch nicht wieder auf!", so Cornie Littmann`s Theatergruppe Brühwarm, bis hin zu Selbsthilfegruppen aus Braunschweig, in denen frei vor der Kamera geschmust wird und vorallem sowas wie Selbstverständlichkeit geübt wurde. 1977 ist Detlef Stoffel dann mit diesem durchaus didaktisch gemeinten Film durch Kino`s und Jugendzentren getingelt, hat aufgeklärt, sich gestritten und sich gegen falsch verstandene bzw. gemeinte libertäre Humanität gewehrt.