Polen – Land des Jahres auf der BioFach 2006

- Land der Menschenrechte leider nicht… : 
Schön, dass auch in Polen der ökologische Landbau auf dem Vormarsch ist, dass die Zahl der Menschen steigt, die umweltverträglichen Konzepten  umweltschädlichen den Vorzug geben.  Noch schöner wäre es, wenn dieser gesellschaftliche Fortschritt auch auf anderen Ebenen zu finden wäre: 
„Amnesty International ist über ein Klima der Intoleranz gegenüber der Lesben- Schwulen-, Bisexuellen- und Transgender-Community (LGBT) in Polen besorgt. Es ist durch das Verbot von durch die LGBT-Gemeinschaft organisierten öffentlichen Veranstaltungen, offen homosexuellenfeindliche Sprache, die von einigen hochrangigen Politiker/innen benutzt wird, und Aufhetzung homosexuellenfeindlichen Hasses durch einige rechtsgerichtete Gruppierungen gekennzeichnet. Vor diesem Hintergrund nimmt Amnesty International außerdem mit Besorgnis die kürzliche Abschaffung des Regierungsbüros zur Kenntnis, das für die Förderung der Gleichbehandlung sexueller Minderheiten verantwortlich ist.   …
Das internationale Recht verbietet Diskriminierung aus jedwedem Grund und ermuntert Staaten, eine Gesetzgebung einzuführen, die Menschen vor Aufhetzung von Hass schützt. Insbesondere verpflichten der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte und die Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) Staaten, allen Menschen den Genuss ihrer Menschenrechte ohne Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung zu garantieren. Polen ist ein Unterzeichner beider Instrumente und ist voll an ihre Bestimmungen gebunden.“  (zitiert aus AI Index EUR 37/002/2005, Nachrichtendienst Nr. 318, vom 25.11.2005) 
Die neuen Führer Polens scheinen von dieser Unterzeichnung nichts wissen zu wollen:   
„Männer wie der neue Präsident Lech Kaczynski und sein Zwillingsbruder Jaroslaw, der im September mit seiner nationalkonservativen Partei die Parlamentswahl gewonnen hat, wollen Polen zu einer katholischen Volksgemeinschaft formen. Ein sicheres, warmes Zuhause soll das Land werden. Geschützt vor den Deutschen, vor Europa. Und vor vermeintlichen inneren Feinden wie Juden und Schwulen. … Die Kaszynskis und ihre Glaubensbrüder sagen, dass Homosexuelle die polnische Lebensart bedrohen. Dass sie nicht Lehrer oder Beamte sein dürfen. Dass man sie in Umerziehungslager stecken sollte. Die Schwulen waren eines ihrer Lieblingsthemen im Wahlkampf. …“ (zitiert aus  „Die Versteckten“, Berliner Zeitung vom 19.11.2005, Seite 3). 
Assoziationen mit dem widerlichsten Kapitel der deutschen Vergangenheit drängen sich auf:
„Schwule in die Gaskammer“ wird im Jahr 2005 in Polen öffentlich gerufen – die deutschen Nazis leisteten diesbezüglich im „Dritten Reich“ ganze Arbeit… 
„Im November (2005) hatte sich auch die Europäische Union nach den schrillen Anti-Homo-Tönen aus Warschau eingeschaltet: ‚Die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität ist nicht im Einklang mit den grundlegenden Werten und Prinzipien, auf denen die EU gegründet ist’, stellte der Sprecher von Justizkommissar Franco Frattini in ungewöhnlich scharfen Worten klar. Und Kommissionssprecher Jonathan Todd drohte gar mit dem Verlust von Polens Stimmrecht in der EU, sollte die homophobe Stimmungsmache weitergehen. Man werde die Situation in Polen weiterhin im Auge behalten, verlautete es aus Brüssel.“ (zitiert nach SERGEJ, München, Januar 2006, Seite 13)                                                                                                                                                   
„Im Auge behalten“ reicht meistens nicht – Aufforderungen, z.B. an die Botschaften Polens, sind da schon besser. Wenden Sie sich als Aussteller/in und Besucher/in der Weltleitmesse BioFach 2006 mit klaren Worten an die politischen Vertreter Polens (z.B. über: info@botschaft-polen.de ).  
Ökologischer Landbau und Fair Trade sind untrennbar mit der Einhaltung von Menschenrechten verbunden – überall auf der Welt ! 
Detlef Stoffel, Postfach 102749, 33527 Bielefeld
Links für mehr Information:
www.lglf.de/ilga-welt/information/polendiskriminierung.htm
www.lglf.de/ilga-europa/euro-letter/126-12-2005.htm 
Detlef Stoffel gründete 1972 im Alter von 22 Jahren  eine der ersten schwulen Aktionsgruppen in der Bundesrepublik Deutschland und war viele Jahre Aktivist der Schwulenbewegung. 1975 drehte er als Projekt der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld den Dokumentarfilm „Rosa Winkel? Das ist doch schon lange vorbei… Über die gerade Linie der Schwulendiskriminierung vom Faschismus bis heute und was Schwule dagegen tun.“
1977 gründete er einen der ersten Naturkostläden des Landes, „Löwenzahn“ in Bielefeld, und war dann Einzelhändler, Großhändler und managte eine Marketingfirma für den Naturkosthandel. Er war Mitbegründer des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren BNN, dort über 10 Jahre im Vorstand, und auch aktiv in der Vorstandsarbeit des Demeter-Marktforum.
Seit 2000 arbeitet Detlef Stoffel als freier Berater und Projektentwickler.